Pädiatrie

Definition: Kinderheilkunde, Fachgebiet der Medizin, das sich mit Diagnose und Therapie von Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter befasst, vgl. Sozialpädiatrie (Pschyrembel, klinisches Wörterbuch 257. Auflage)

Im Bereich Kinder- und Jugendheilkunde behandeln wir Patienten von 3 Monaten bis zu 18 Jahren. Ein Behandlungsbedarf besteht bei: 

  • Körperlichen, geistigen und emotionalen Entwicklungsrückständen, -verzögerungen oder -störungen
  • Störungen oder Ausfällen des Bewegungsapparates mit und ohne ZNS-Beteiligung
  • Störungen bei der Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen
  • Verhaltens- und/oder Anpassungsstörungen (ADS / ADHS, Autismus)
  • Lern- und Schulstörungen 

Nach einer eingehenden ergotherapeutischen Diagnostik wird der Therapieschwerpunkt mit Eltern und Kind definiert, mit dem behandelnden Arzt abgestimmt und die Behandlungskonzepte/-methoden werden auf den Patienten abgestimmt.

In der Pädiatrie gilt das Spiel (in Kombination mit den unterschiedlichen Behandlungskonzepten/-methoden) als wichtiges Handwerkszeug der Ergotherapie. Ja nach Alter, Beschaffenheit des Krankheitsbildes und der psychischen Disposition des Patienten wird es mehr oder weniger defizitorientiert adaptiert.

Verschiedene therapeutische Spielrahmen: Um das Spiel in der Therapie zu verdeutlichen, können verschiedene Spielrahmen gesteckt werden.

Bei Entwicklungsverzögerungen, -rückständen und bei Störungen der Aufnahme und Verarbeitung von Sinnesreizen handelt es sich eher um eine weniger defizitorientierte Behandlung, sondern vielmehr um eine umfangreiche wahrnehmungsbezogene, prozessorientierte und motorisch gestützte Spielgestaltung.

Diese erarbeitet der Therapeut nach der Diagnostik, in der Entwicklungsstand und Wahrnehmungsreife abgeklärt wurden. Ziel ist es, an der Weiterentwicklung der bestehenden Fähigkeiten zu arbeiten, ohne dem Kind immer wieder sein „Unkönnen“ aufzuzeigen.


Spielen, heißt etwas tun, weil es Spaß macht.

Aber welchen Sinn hat es?

Hat es überhaupt einen Sinn?

Wenn es keinen Sinn hätte, wäre der Spieltrieb nicht derart in der Natur eines jeden Lebewesens verankert …

Ein Kind scheint seine ersten Lebensjahre ausschließlich mit Spielen zu verbringen. Nichts bereitet mehr Unbehagen, als ein Kind zu sehen, das nicht spielt. Ein solches Verhalten ist ein sicheres Zeichen dafür, dass das Kind körperlich oder seelisch krank ist… Durch das Spiel wächst ein Kind. Spiele dienen in erster Linie dem Wachstum, und zwar dem intellektuellen, dem seelischen und dem psychischen Wachstum. (nach M.A.West, 1888 „Childhood – ist care and culture“)


Die Behandlung von Lern- und Schulstörungen richtet sich nach dem Alter und Umfang der Schwierigkeiten. So führt z.B. bei Erstklässlern häufig das spielerische Trainieren der lernunterstützenden Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit, Problemlösungsverhalten oder Handlungsplanung zu altersgerechten Schulfertigkeiten. Bei „älteren“ Grundschülern werden in der Regel spezifische und umfangreiche Lernstörungen wie Lese- oder Rechtschreibstörungen oder Dyskalkulie diagnostiziert. Die Spielgestaltung konzentriert sich hier darauf, das diese Defizite nicht ausschließlich mit Stift und Heft am Tisch sitzend bearbeitet werden, sondern auch im ganzen Raum, auf oder in einem Therapiemedium oder mit Hilfe eines computergestützten Lernprogrammes. Auch hier wird im Vorfeld geprüft, wie stabil die Basis des zu könnenden Lernstoffs ist (z.B. auditive, visuelle Differenzierung, Buchstabensicherheit, Mengenverständnis, Zahlenraum).

Aufgrund unterschiedlichster Ursachen und verschiedener Altersgruppen können Verhaltensstörungen extrem unterschiedlich zum Ausdruck kommen. Ebenso groß ist die Bandbreite der Therapiegestaltung. So kann zum Beispiel das Erlernen von Interaktion, altersgerechtem Verhalten in verschiedenen Situationen, der Umgang mit Erfolg und Misserfolg, Regelverständnis und Regelgebrauch, Anpassung und Eigenregulation in der Therapiesituation immer wieder erprobt und erarbeitet werden. Dabei wird immer wieder der Bogen zur defizitären Ausgangssituation geschlagen. Bei der Behandlung älterer Kinder und Jugendlicher tritt die Veraltenstherapie und deren Programme in den Vordergrund (siehe Verhaltenstherapie).

Spielerische Tätigkeiten und Handlungen, die Bewegungsabläufen aus dem Alltag nachempfunden und schwer zu bewältigen sind, füllen die Therapieeinheiten bei Patienten mit Störungen oder Ausfällen des Bewegungsapparates. Bei schwer geschädigten oder behinderten Patienten richtet sich die Behandlung stark an den spezifischen Defiziten wie z.B. die aktive/passive Erhaltung des Bewegungsausmaßes, Kontrakturprophylaxe etc. aus.

Ein weiteres Instrument der pädiatrischen Behandlung ist das Handwerken. Je nach Alter steht der Umgang mit unterschiedlichem Material und Werkzeug, das gezielte grob- und feinmotorische Handeln oder das Planen und Konstruieren eines komplexen Werkstücks im Vordergrund.

Die Beratung der Eltern und der Bezugspersonen sowie auch der Erzieher und Lehrer ist ein wichtiger Baustein in der Pädiatrie. Es besteht eine Partnerschaft zwischen beratendem Therapeuten und dem Ratsuchenden. Durch das gemeinsame Erarbeiten von Strategien und deren Beurteilung im Hinblick auf ihre Effektivität, soll dem Kind die Möglichkeit gegeben werden, trotz seiner Defizite im täglichen Umfeld erfolgreich zu sein.

Wir als Therapeuten haben die Funktion eines Katalysators, geben Einblick in theoretische Erklärungsansätze für das Verhalten des Kindes. Wir sehen aus einem anderen Blickwinkel, warum das Kind gerade nur so reagieren kann. So versuchen wir dem Ratsuchenden eine andere Perspektive aufzuzeigen, um mit dem Kind in Interaktion zu treten und mit angepassten Strategien gemeinsam zum Ziel zu kommen.